Vom Schmieden zur Schmiedekunst

Sehr früh in der menschlichen Entwicklungsgeschichte lernten die Menschen, Eisen herzustellen, es zu Gebrauchsgegenständen zu formen und ihm künstlerische Gestalt zu geben. Eines der wichtigsten Verfahren zur Formgebung war das Schmieden. Die uns heute bekannten ältesten Schmiedearbeiten stammen etwa aus der Mitte des ersten Jahrhunderts vor unserer Zeit. Zweck des Schmiedens in der Frühgeschichte war das Herstellen praktischer Gegenstände. So wurden in der Dorfschmiede hauptsächlich Werkzeuge für die Landbevölkerung hergestellt, z.B. zum Bearbeiten der Bodens, zum Roden der Wälder, aber auch Hausgeräte und Beschlagteile für Bauernwagen. Der Schmied eroberte sich mit seinen Erzeugnissen in kurzer Zeit einen wichtigen Platz in der Gemeinschaft.  

Die Formgebung der Schmiedearbeiten erfolgte vorerst  nach rein funktionellem, zweckbestimmten Gesichtspunkt, die der einzelne Schmied sich selbst erarbeiten musste bzw. von seinen Vorfahren übernahm. Das Beherrschen des Handwerks und der zweckmäßigen Formgebung führte zur Handwerkskunst des Schmiedens.

Je nach Sachkenntnis und Erfahrung gaben die Schmiede ihren Arbeiten mehr oder weniger zweckmäßige Formen. Gleichzeitig versuchten sie, diese durch besondere Gestaltung aufzuwerten und dadurch unverkennbare Gegenstände zu schaffen, die die Handschrift des einzelnen erkennen ließen. Das Herstellen von Gestalten der Schmiedearbeiten führte zu individuellen schöpferischen Leistungen. Es wurde zur Grundlage der Gestaltungskunst und somit des Kunstschmiedens.

Der Wert von Schmiedearbeiten wurde sehr schnell erkannt. In vielfältigster Form hielten sie Einzug in Burgen und Schlösser. Tür-, Wagen- und Baubeschläge, Gitter und nicht zu letzt Waffen und Rüstungen wurden zu Arbeitsgebieten des Schmiedes. Neben der rein funktionellen Bedeutung traten das Veredeln durch Ornamente und durch besondere Gestaltungstechniken, immer mehr in den Vordergrund. Der Schmied wurde um so mehr zu einem angesehenen  Handwerker und Künstler, je besser er sein Handwerk beherrschte. Aus der hohen Wertung des Beruft erwuchs der Stolz der Schmiedes und aus der Bindung an Werkzeuge und Arbeitstechniken die Tradition, die sich bis in unsere Zeit erhalten hat. Aus dieser Tradition erklärt sich das Bestreben, auch heute noch nur als Schmiedearbeit zu bezeichnen, was „aus dem Feuer kommt“, das heißt, was in glühendem Zustand umgeformt wurde.

zurück

www.indirio.com